
Inhalt:
»So rührend, knallhart und realistisch ist über Geburt und Mutterschaft noch nie geschrieben worden. Ein grandioses Buch.« Charlotte Roche
»Ich will schlafen!« ist ein mutiges, ein notwendiges Buch. Ein radikaler, ergreifender Roman über eine alleinerziehende, moderne junge Mutter, deren Traum vom Kind zum Albtraum wird. Umwerfend heutig, ist dies beste Literatur von einer der interessantesten Autorinnen Großbritanniens.
Rachel steht vor dem größten Abenteuer ihres Lebens: Sie wird zum ersten Mal Mutter. Sie wünscht sich das Kind aus tiefstem Herzen und freut sich auf diese einschneidende Veränderung in ihrem Leben. Doch nach der Geburt ihres Sohnes Joseph scheint nichts zu sein, wie sie es sich vorgestellt hat. Der Grund: Schlafmangel, massiver Schlafmangel. Ihr Sohn scheint nie zu schlafen, schlimmer aber ist, dass sie keine Ruhe findet. Trotz überwältigender Liebesgefühle für ihr Kind gerät Rachel an den Rand des Wahnsinns. Stets vollkommen übernächtigt, verschwimmen teilweise die Grenzen von Realität und Fiktion, und es stellt sich die Frage, wie weit sie zu gehen bereit ist, um ihren kleinen Sohn in den Schlaf zubekommen.
Meine Meinung:
Ich habe das Buch zügig gelesen, es hat einen flüssigen Schreibstil und an manchen Ecken konnte ich mich selber nach der Geburt meiner Tochter wiederfinden. Aus diesem Grund hatte ich mich bei Blogg Dein Buch für dieses Buch beworben, denn auch ich habe nach der Geburt meiner Tochter nur den unbändigen Wunsch gehabt, zu schlafen. Auch meine Tochter hat nicht geschlafen, so wie Joe, der Sohn von Rachel.
Rachel wird nach einem One-Night-Stand mit ihrer großen Jugendliebe Ruben schwanger. Sie sagt ihm allerdings nichts davon, sie will es allein schaffen. Rachel ist Jugendsozialarbeiterin und hat bei ihrer Arbeit jeden Tag mit vernachlässtigten, aufsässigen, früh schwangeren Jugendlichen zu tun. Sie will es als Mutter besser machen. Das Buch springt dabei immer hin und her, mal ist man in ihrer Jugend, mal in der Schwangerschaft, mal in der Gegenwart. Ich mag diese Art nicht so gern, ich lese lieber ein Buch in der zeitlich richtigen Reihenfolge.
In der Schwangerschaft freut sich Rachel sehr auf ihre “Bohne”, wie sie ihr Baby nennt, doch nach der Geburt, die als Gemetzel beschrieben wird, will sie nur eins: schlafen. Denn der kleine Joe schreit und schreit, nur schlafen will er nicht. Anfangs liegt Rachel im Krankenhaus mit Joe, zusammen mit anderen frischgebackenen Mamas und deren Babys. Diese anderen Babys werden alle als mustergültige, durchschlafende Babys beschrieben, die anderen Mamas haben nur mißbilligende Blicke für Rachel, ebenso die Hebammen. Dies wird mir zu sehr als schwarz und weiß beschrieben. Denn Joe ist ein ganz normales Baby, ganz ehrlich, was hat Rachel erwartet? Ein Baby, das auf die Welt kommt und sofort 12 Stunden am Stück schläft, dann wird es gestillt, gewickelt, gebadet und schläft wieder?
Zudem macht Rachel dann daheim alle klassischen Fehler, sie putzt die Wohnung in der Zeit, in der Joe schläft (denn er schläft dann doch ab und an), oder sie weckt ihn, um ihn zu wickeln und zu baden. Zudem klappt das stillen nicht so wie es soll, aber zufüttern kommt nicht in Frage, auch wenn sie es 1-2x so macht. Irgendwann gibt ihr dann ihr Vater den Tipp, Joe doch mal einen Schnuller zu geben, anstatt ihn ständig an die Brust zu legen. Ganz ehrlich, welche Mutter kommt nicht auf diese Idee? Rachel auf jeden Fall nicht.
Zu guter Letzt ist Rachel nicht fähig, eine Beziehung zu ihrem Kind aufzubauen – was auf postnatale Depression hindeutet. Darauf wird allerdings nicht näher eingegangen, die Symptome sind schwammig. Beschrieben wird mir das ganze als ein bisschen zu krass, allerdings hatte ich keine postnatalen Depressionen, also kann ich da vielleicht auch einfach nichts zu sagen. Man sieht bei Rachel erst Gleichgültigkeit, der schließlich in Hass umschlägt, sie lässt ihr Kind allein, zum Teil stundenlang.
Das Buch beschreibt ansonsten gut ein Tabuthema, denn Mutter zu sein, ist anstrengend, tut weh, es gibt keine Anleitungen dafür, und man glaubt oft, dass alles nicht zu schaffen und verzweifelt. Rachel ist zu stolz ist, um Hilfe zu bitten, sie halluziniert und geht schließlich unter. Ihr fehlen Freunde, sie hat eigentlich keine, nur Kolleginnen, ihr fehlt ihre Mutter, die vor vielen Jahren gestorben ist und letzlich auch der Partner oder zumindest der Vater des Kindes.
Ich komme an diesem Punkt wieder an meine eigene Geschichte, mein Kind ist inzwischen 8 Jahre alt und schläft immer noch schlecht. Ich saß nächtelang, wochenlang nachts mit ihr im Wohnzimmer, damit mein Mann schlafen kann, der arbeiten musste. Ich bin wirklich auf dem Zahnfleisch gegangen, aber als Mutter schafft man sowas. Der Körper gewöhnt sich nach einer Weile auch an diesen extremen Schlafmangel, gleichzeitig entwickelt man die Fähigkeit, irgendwann zu schlafen, wenn das Kind auch schläft und sei es von 11-12 Uhr am Vormittag. Ich hatte von der Geschichte etwas mehr in diese Richtung erwartet, etwas “normaler” geschildert, nicht ganz so übertrieben in vielen Dingen.
Mein Fazit:
Ein durchaus lesenswertes Buch, teilweise in meinen Augen einfach zu übertrieben, sei es die Geburt oder den Hass, den sie in Joes Gesicht sieht. Ich gebe daher 4 von 5 Sternen.